Sechs Beispiele aus unserer Praxis
So kann Ergotherapie helfen
Jeder Mensch bringt andere Schwierigkeiten und Bedürfnisse mit. Deshalb kann auch die Ergotherapie ganz unterschiedlich aussehen. Sechs Beispiele aus unserer Praxis:
Psychisch-funktionelle Ergotherapie
Wenn belastende Gedanken nicht zur Ruhe kommen
Ein Mensch erlebt starke Ängste, Verunsicherung und immer wiederkehrende belastende Gedanken. Es fällt ihm schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen und Abstand zu seinen Sorgen zu gewinnen.
In der Ergotherapie schaffen wir zunächst durch Gespräche und gemeinsame Reflexion Raum, um diese Gedanken besser zu verstehen und neue Perspektiven zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, Ängste oder unangenehme Gedanken vollständig loszuwerden, sondern einen anderen Umgang mit ihnen zu finden.
Hilfreich können dabei auch kreative Tätigkeiten sein, beispielsweise das Gitarrespielen.
Beim Erlernen und Spielen der Gitarre werden verschiedene Sinne und Fähigkeiten gleichzeitig angesprochen: Die Hände greifen die Saiten, das Gehör nimmt die Klänge wahr und die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Zusammenspiel von Bewegung und Musik.
Dadurch kann die Beschäftigung mit belastenden Gedanken vorübergehend in den Hintergrund treten. Es entsteht die Erfahrung, dass Gedanken und Ängste zwar da sein dürfen, aber nicht immer die gesamte Aufmerksamkeit bestimmen müssen.
Das Ziel: Einen bewussteren Umgang mit belastenden Gedanken entwickeln, Anspannung regulieren und erleben, dass trotz innerer Unsicherheit wieder Raum für andere Erfahrungen und Aktivitäten entstehen kann.
Einen guten Start in den Tag finden
Ein Patient kommt an vier Vormittagen in der Woche zur Ergotherapie. Die regelmäßigen Termine geben seinem Tag einen festen Anfang und helfen ihm, eine Tagesstruktur aufrechtzuerhalten.
Während der Behandlung bieten Gespräche Raum, um Belastendes anzusprechen und Entlastung zu erfahren. Körperorientierte Regulationsmaßnahmen, beispielsweise eine Regulationsmassage, unterstützen ihn dabei, Anspannung zu reduzieren und mehr Ruhe zu finden.
So erfüllt die Behandlung mehrere Aufgaben zugleich: Sie gibt Struktur, schafft regelmäßige persönliche Kontakte und unterstützt dabei, ausgeglichener in den Tag zu starten.
Die Bachelorarbeit schaffen, ohne sich selbst zu verlieren
Eine Person steht vor ihrer Bachelorarbeit. Der Druck ist groß, die Aufgaben wirken überwältigend und es fällt schwer, einen Anfang zu finden. Gleichzeitig soll der restliche Alltag nicht zu kurz kommen.
In der Ergotherapie schauen wir gemeinsam, was gerade wichtig ist und wie sich die Anforderungen bewältigen lassen.
Statt einen umfangreichen Wochenplan zu erstellen, werden Prioritäten gesetzt und kleine, verbindliche Arbeitszeiten vereinbart. Gleichzeitig wird berücksichtigt, was neben der Bachelorarbeit wichtig bleibt – beispielsweise Erholung, soziale Kontakte und alltägliche Verpflichtungen.
Ziel ist nicht, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu schaffen, sondern einen Weg zu finden, mit den Anforderungen umzugehen, ohne dauerhaft über die eigenen Grenzen zu gehen.
Motorisch-funktionelle Ergotherapie
Wenn die Hand im Alltag nicht mehr richtig mitmacht
Nach einer Handverletzung fällt es einem Menschen schwer, alltägliche Dinge zu greifen, Flaschen zu öffnen oder Mahlzeiten zuzubereiten. Die Hand ist schmerzhaft und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.
In der Ergotherapie können Wärmeanwendungen, beispielsweise ein Wachsbad, und gezielte Bewegungsübungen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig werden die Bewegungen und Tätigkeiten geübt, die im Alltag Schwierigkeiten bereiten.
Das Ziel: Beweglichkeit und Belastbarkeit verbessern, damit alltägliche Handlungen wieder leichter und möglichst selbstständig gelingen.
Ergotherapie für Kinder
Selbstständiger durch den Alltag
Ein Kind hat Schwierigkeiten, sich selbstständig anzuziehen. Knöpfe schließen, einen Reißverschluss bedienen oder die Schuhe anziehen erfordern viel Zeit und führen immer wieder zu Frustration.
In der Ergotherapie werden die dafür benötigten Fähigkeiten spielerisch gefördert. Gemeinsam üben wir einzelne Bewegungsabläufe und suchen nach Möglichkeiten, die dem Kind das Anziehen erleichtern.
Das Ziel: Das Kind gewinnt mehr Selbstständigkeit, erlebt eigene Erfolge und kann alltägliche Herausforderungen zunehmend selbst bewältigen.
Neurologische Ergotherapie
Vertraute Tätigkeiten wieder selbst ausführen
Nach einem Schlaganfall fällt es einem Menschen schwer, seine gewohnten Tätigkeiten auszuführen. Eine Körperseite ist in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Schon das Zubereiten des Frühstücks kann dadurch zur Herausforderung werden.
In der Ergotherapie üben wir gezielt alltagsrelevante Bewegungen und Handlungsabläufe. Dabei erproben wir auch Hilfsmittel oder alternative Vorgehensweisen, um bestehende Einschränkungen auszugleichen.
Das Ziel: Vorhandene Fähigkeiten stärken, neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln und im Alltag wieder möglichst selbstständig werden.
Der erste Schritt
Was möchten Sie wieder leichter schaffen?
Sie müssen noch nicht genau wissen, welche Behandlung zu Ihnen passt. Schildern Sie uns Ihr Anliegen in wenigen Worten.